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Liebe Schwestern und Brüder,


nun, da die Bundesliga auch ihre „Geisterspiele“ absagen muss, beginnt in der Kirche die Saison der „Geistergottesdienste“. Es ist schon etwas gespenstisch, vor leeren Kirchenbänken zu stehen und eine Andacht zu halten.


Der Sonntag heute hat den Namen „Okuli“. “Okuli“ heißt „Augen“ und kommt aus Psalm 25: „Meine Augen sehen stets auf den Herrn; denn er wird meinen Fuß aus dem Netze ziehen.“ – so heißt es dort.
Was sehen /wir/ in diesen Tagen? – Da brauchen wir nicht lange zu überlegen. Angst und Unsicherheit ist allgegenwärtig und dringt durch Medien und Mitmenschen in unsere Herzen: Wir haben Angst um unsere älteren oder vorerkrankten Familienmitglieder, dass sie die volle Härte des Virus zu spüren bekommen; wir haben Angst vor dem Stillstand der Gesellschaft, dass nichts mehr geht; wir haben Angst, kein Klopapier mehr zu bekommen. Manches müssen wir persönlich im Namen der Seucheneindämmung zurückstecken: unsere Kinder werden nicht mehr betreut, Kranke und Alte dürfen wir nicht mehr besuchen, wir vermissen den Gottesdienst am Sonntagmorgen.
Darf man die Frage stellen, ob durch all diese krassen Maßnahmen nicht mehr kaputtgemacht wird, als dass es nutzt?
Ich muss ehrlich zugeben: Ich weiß es nicht. Viele Einschränkungen kann ich nachvollziehen, aber die gesamte Situation überblicke und durchblicke ich nicht. Ich verlasse mich ein gutes Stück weit auf die Hinweise und Empfehlungen der Verantwortlichen und Experten.
Vielleicht – hoffentlich – werden wir irgendwann auf diese Wochen und Monate zurückblicken und feststellen, dass wir noch einmal mit einem blauen Auge davongekommen sind.


Noch einmal frage ich: Worauf haben wir im Moment unsere Augen gerichtet? Können wir nur die Krise sehen, die Gefahr, unsere Angst?
Der heutige Sonntag will uns Mut machen, unseren Blick weg zu lenken von den Sorgen hin auf das, was unsere Herzen bewegt: Die Pflege von Gemeinschaft und die Erfahrung von Geborgenheit. Vielleicht finden wir neue Wege, das, was uns wichtig ist, weiterzuführen, oder sogar zu intensivieren.
Tief beeindruckt hat mich, wie mir in den letzten Tagen von der Schneekatastrophe 1978/79 hier in Friesland berichtet wurde: tagelang von der Außenwelt abgeschnitten, die Versorgung auf das Notwendigste reduziert, machten die Menschen eine besondere Erfahrung: alle rückten näher zusammen, Nachbarn standen füreinander ein, inmitten der Kälte wurde eine Wärme spürbar, die man heute vielerorts gar nicht mehr kennt.
Vielleicht gelingt es uns ja, diese außergewöhnliche Situation, in der wir uns alle wiederfinden, zu nutzen, sie zu gestalten, so dass wir uns getragen fühlen von der Gemeinschaft untereinander und von Gott, an dessen Liebe wir uns an diesem Sonntagmorgen erinnern.


„Meine Augen sehen stets auf den Herrn; denn er wird meinen Fuß aus dem Netze ziehen.“


Amen.

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