Zurückbutton

Aktuelles

Liebe und Tod begegnen sich

Friedhof, Bild: Illgen

Liebe Leserinnen und Leser!

„Maria aber stand draußen vor dem Grab und weinte.“ (Johannes 20, 11a) Das Grab Jesu ist leer. Und die, die um ihn trauern, fühlen sich ebenso leer. Alles ist vorbei. Nicht einmal ein Ort zum Trauern ist ihnen geblieben.

Jeden Tag gehen Menschen zu den Gräbern ihrer Verstorbenen. Ein Ausdruck der Trauer und der Liebe. Für mich ist das Grab ein Ort, an dem ich mich an meine Liebsten erinnern kann. Ich höre die Stimme, das Lachen, sehe das mir vertraute Gesicht vor meinem inneren Auge. Ich versenke mich in die Bilder der Vergangenheit. Das tut gut! Das tut weh! Liebe und Tod begegnen sich hier.

Zuweilen sage ich leise vor mich hin all das, was ich ihm oder ihr noch gerne gesagt hätte oder aktuell sagen würde. Ich rede, weil ich Klarheit haben möchte über so manches, was mir unverständlich geblieben ist. Ich kümmere mich um die Blumen auf dem Grab. Wenigstens etwas, was ich noch tun kann.

Doch das Grab Jesu ist leer, der Ort der Erinnerung ausgelöscht. Nichts ist geblieben. Ohne Hoffnung gehen die Jünger vom Grab Jesu weg. Nur Maria Magdalena schafft es zu bleiben. Die Menschen, die eben noch mit ihr die Trauer teilten, sind gegangen. Sie ist allein.

Ich finde, das ist der schlimmste Zeitpunkt: Alleinsein mit der Trauer. Draußen stehen und weinen. Einsame Tränen, die nur dem geliebten Menschen gelten; die letzte Vertrautheit, die geblieben ist.

Tief traurig sucht auch Maria nach Spuren verlorener, glücklicher Zeit. Und sie findet zwei Engel. Am kalten Grab spürt sie Gottes wärmende Liebe. Liebe und Tod begegnen sich. Wunderbar und unerklärlich ist das und doch eine wirkliche Kraft, die ihr hilft, sich einem neuen Leben zuzuwenden. Anders, als sie es je für möglich gehalten hat, spürt sie die Anwesenheit Jesu. Befreit geht sie weg, um andere mit der neu gewonnenen Kraft anzustecken.

Wenn ich von unserem Familiengrab nach Hause gehe, bin ich manchmal auch ergriffen von einer ganz besonderen Ruhe und Kraft. „Das Leben geht weiter.“, sagen die anderen. Ich sage, Tod und Liebe sind sich begegnet. Und ich spüre: Gott ist diese Liebe, die Liebe, die die Grenzen des Todes überwindet.

Diese Kraft schöpfende Liebe Gottes wünsche ich Ihnen allen bereits jetzt und in der vor uns liegenden dunklen Jahreszeit.

Ihr Pastor Klaus Illgen

Titelfoto: Illgen
€ž

Zurückbutton